Der Detektiv in mir

Schon lange ist sie vermessen, die Welt, und in Miniaturansichten mithilfe von analogen und digitalen Visualisierungen wie Landkarten, Globussen oder Google Earth einsehbar. Das Entdecken von neuen Ländern und Kontinenten auf der Oberfläche unseres Planeten ist abgeschlossen und somit scheint der erste meiner kindlichen Traumberufe ad acta gelegt.

Parallel zu der Faszination für das Ausfindig machen von unbekannten Weltgegenden war ich als Halbwüchsiger begeistert von der Idee des detektivischen Entdeckens und Aufdeckens im Sinne von „detegere“, wie es im Lateinischen bezeichnet wurde. Angespornt von Figurenvorbildern wie Super-Detektiv Sherlock Holmes, Nick Knatterton und auch Batman wollte ich auf ähnlicher Weise die Welt entschlüsseln, verstehen und somit Licht ins Dunkel unbekannter Geschehnisse bringen. Ja, Detektive waren die Helden meiner Kindheit und auch Jahrzehnte danach wirkt dieser (Traum-)Beruf eine gewisse Sogwirkung auf mich aus. Worin begründet sich diese Faszination, diese Lust aufs Schnüffeln? Wem ist es vergönnt, sich selbst als Detektiv zu bezeichnen und sind die coolen Ermittler_innen aus Film, Fernsehen, Büchern und Comics überhaupt mit der Realität vergleichbar?

Fiktion und Realität – Detektiven auf der Spur

Der italienische Historiker und Kulturwissenschaftler Carlo Ginzburg erkennt Parallelen zwischen der Kunstfigur Sherlock Holmes, und den Personen Sigmund Freud und Giovanni Morelli – er versteht alle drei als Meister des Indizienbeweises. Morelli konnte anhand von Details zahlreiche Gemälde als Kopien oder Fälschungen entlarven. Freud war davon überzeugt, in Marginalien psychische Zusammenhänge diagnostizieren zu können und der Charakter Holmes verstand es, komplexe Verbrechen zu rekonstruieren. Das Trio hat gemein, kleine Hinweise, Indizien und Details als zusammenhängende Elemente rational zu erkennen, welche auf eine tiefere Realität verweisen. Kriminalliteratur und Wissenschaft vereint dabei die Annahme, dass letztlich hinter allem eine rationale Erklärung steckt. Somit geht es darum, die Realität hinter der Realität zu erkennen. Genau dieses Aufdecken von zuvor Ungesehenem, das Erkennen von größeren Zusammenhängen ist meine persönliche Erklärung für die Faszination des Detektiv-Seins.

Glaubt man dem Wikipedia-Artikel de.wikipedia.org/wiki/Detektiv, so ist in Deutschland und Österreich die detektivische Ausbildung soweit nicht gesetzlich geregelt, allerdings sind in beiden Ländern Berufsverbände und Lehrgänge vorhanden, deren Teilnahmen auf freiwilliger Basis bestehen. Herkömmlicherweise ist die Art der Arbeit von Berufsdetektiven_innen auf selbstständiger Grundlage oder in Form eines Angestelltenverhältnisses in einer Detektei bzw. Rechtsanwaltskanzlei üblich. Da die Storys in der Realität nicht aus der Feder von kreativen Drehbuchautor_innen stammen, sind die Tagesabläufe der Betroffenen im wahren Leben naturgemäß nicht so gefährlich und abenteuerlich, wie seit Jahrzehnten medial dargestellt. Und trotzdem bleibt für mich eine geheimnisvolle Anziehung zu der Berufsgruppe des Spuren Verfolgens bestehen.